Die Weinerzeuger von heute kredenzen Ihnen lieber ihren „Orange Wine“ oder eine spezielle Cuvée ohne Schwefelzusatz – vielleicht sogar einen „Natural Wine“. Gelegentlich verwenden sie auch Begriffe wie „Raw Wine“, „Maischekontakt“ oder das Adjektiv „maischevergoren“.

Natural Wine“ bildet – gemeinsam mit „Raw Wine“ – die größte dieser Kategorien.  „Natural Wine“ ist ein Begriff, der sich in den letzten zehn Jahren zunehmend als Bezeichnung für Weine durchgesetzt hat, die mit geringstmöglichem Eingriff bei der Vinifikation durch den Winzer hergestellt werden. In Österreich dürfen ausschließlich biologisch wirtschaftende Betriebe Landwein mit Trübung und oxidativer Note als „natural wine“ in Verkehr bringen. Dies gilt auch für Wein mit Angabe von Rebsorten und Jahrgang und ohne nähere Herkunftsbezeichnung als Österreich sowie Wein ohne Angabe von Rebsorten und Jahrgang und ohne nähere Herkunftsbezeichnung als Österreich. Angaben wie „Naturwein“ sind bei sämtlichen Weinen nicht zulässig. Die Anfänge der Natural-Wine-Bewegung liegen im Frankreich der 1980er-Jahre. Zu jener Zeit begannen Jules Chauvet und Jacques Néauport zu experimentieren, wie man Wein ohne Einsatz von Antioxidationsmitteln und das Konservierungsmittel Schwefeldioxid herstellen kann. Seitdem hat sich „vin nature“ zu einer facettenreichen globalen Gegenkulturbewegung entwickelt, die sich der Homogenisierung, Industrialisierung und der Kultur der Parker-Punkte entgegenstellt, welche die 1990er- und 2000er-Jahre dominierte.

Was sagt das über die Flüssigkeit in der Flasche aus? Entsprechend der gängigen Meinung basiert die Idee des Natural Wine auf folgenden Grundlagen:

  • biologischer oder biodynamischer Weinbau – egal ob mit oder ohne Zertifizierung
  • von Hand gelesene Trauben
  • spontane Gärung ohne Einsatz von Zusatz- und/oder Laborhefe
  • keine Zusätze zum Most bzw. keine Anpassungen des Mosts: keine Säuerung, keine Chaptalisation und kein Zusatz von Hefenährstoffen oder Enzymen
  • keine starke Bearbeitung des Weins, z.B. mittels Schleuderkegelkolonne, Umkehrosmose, Mikrooxygenierung oder Kryoextraktion
  • keine Filtration
  • keine Schönung
  • minimale oder gar keine Schwefeldioxidzugabe

Die oben angeführte Definition wurde vom Decanter Magazin für eine Natural Wine Verkostungssrunde im Jänner 2017 übernommen.

Glühende Verfechter von Natural Wine würden außerdem bestehen auf:

  • absolut keinen Zusatz von Schwefel
  • keine Hemmung der malolaktischen Gärung bei Weißweinen
  • keinerlei Beeinflussung der Gärungstemperatur, egal wodurch auch immer
  • kein Einsatz neuer Eiche

Obwohl es keine einheitliche Definition gibt, haben eine Reihe von Erzeugerverbänden und andere Organisationen versucht, die Produzenten auf freiwilliger Basis zu klassifizieren und zu zertifizieren. Die Rawfair Messe, die auf dem Weg ist, sich zu einer der weltweit führenden Messen für Natural Wine zu entwickeln, legt strenge Qualitätskriterien fest für Weine, die ebendort präsentiert werden dürfen, unter anderem eine Obergrenze von 70 mg Schwefeldioxid pro Liter Wein – das ist weniger als die Hälfte der nach EU-Recht für trockene Standardweine zulässigen Menge. Es gibt zahlreiche Erzeugerorganisationen, und alle haben leicht voneinander abweichende Regeln – manche strenger, manche etwas lockerer. Dazu gehören „Renaissance des appellations“ in Frankreich, „Triple A“ in Italien (bei beiden sind österreichische Weingüter Mitglied) und „ViniVeri“, ebenfalls in Italien (auch mit internationalen Weingütern als Mitglieder, derzeit jedoch ohne Österreicher). Eine berechtigte Frage an dieser Stelle wäre: „Reicht es nicht aus, einfach zertifiziert biologisch und/oder biodynamisch zu sein?“ Die Antwort wäre komplex. Tatsache ist jedoch, dass diese Anbaumethoden nicht alles kontrollieren, was im Weinkeller vor sich geht, obwohl sie bereits niedrigere SO2-Gesamtgrenzwerte als bei konventionellen Weinen vorgeben. Ein Erzeuger kann eine Bio-Zertifizierung haben und als Ausgangsmaterial über hervorragende, sogar biodynamisch angebaute Trauben verfügen, im Keller dann jedoch eher konventionell arbeiten. An dieser Stelle könnte man argumentieren, dass beim Kunden dadurch eine Fehlannahme entsteht: Dieser sieht die biodynamische Zertifizierung auf der Flasche und erwartet daher ein Produkt, das eher „natürlich“ und weniger „industriell“ ist. Die Natural-Wine-Bewegung geht auf dieses Problem ein, indem sie anerkennt, dass Konsequenz im Weinkeller ebenso wichtig ist wie im Weingarten, das heißt, dass auch im Weinkeller eine möglichst naturnahe Behandlung der Trauben und des Weins erfolgen sollte. Die amerikanische Schriftstellerin und Journalistin Alice Feiring und die in Großbritannien ansässige Isabelle Legeron MW sind zwei der bekanntesten Unterstützerinnen und Kommunikatoren von Natural Wine. Beide sprechen von Natural Wine als so „lebendig“, wie es industriell hergestellte Weine nicht sein können. Legeron beschreibt sie so: „Gute Natural Wines sind vibrierend und lebendig und zeigen aufregende unterschiedliche Charaktere voller Emotionen.“ Die Kategorie ist umstritten, und manche Weinkritiker und Experten behaupten, dass es lediglich darum gehe, mögliche Fehler in einem Wein zu verzeihen. Liebhaber von Natural Wine finden nichts Verwerfliches an einem trüben Wein oder an Weinen mit auffälligem Depot – ein Umstand, der ausreichen würde, um einen Wein aus den Regalen der meisten Supermärkte zu entfernen, in denen ästhetische Konformität und Fehlerfreiheit als Regel gelten.

Natural Wines können manchmal auch einen höheren Gehalt an Brettanomyces oder flüchtigen Säuren aufweisen, als herkömmliche Weinerzeuger normalerweise tolerieren würden. Ob diese Faktoren in einem bestimmten Wein „funktionieren“, ist zum Teil eine Frage des individuellen Geschmacks. Brettanomyces etwa gilt in manchen der weltweit renommiertesten Rotweine als – wenn auch nicht anerkannte – Schlüsselkomponente.

Das Bild zeigt eine Landschaft im Weinviertel

Rebsorten

Weisswein19992009+/- %
(1999-2009)
2015+/- %
(2009-2015)
Anteil Gesamt 1999Anteil Gesamt 2009Anteil Gesamt 2015
Grüner Veltliner17.47913.518-22,7%14.4236,7%36,0%29,4%31,0%
Welschriesling4.3233.597-16,8%3.338-7,2%8,9%7,8%7,2%
Müller Thurgau3.2892.102-36,1%1.788-14,9%6,8%4,6%3,8%
Weißburgunder1)1.995-1.971-1,2%-4,3%4,2%
Riesling1.6431.86313,4%1.9866,6%3,4%4,1%4,3%
Chardonnay1)1.431-1.61713,0%-3,1%3,5%
Sauvignon Blanc314933196,7%1.24833,8%0,6%2,0%2,7%
Gemischter Satz1.371807-41,1%671-16,9%2,8%1,8%1,4%
Neuburger1.094652-40,4%497-23,8%2,3%1,4%1,1%
Muskateller143527267,7%86463,9%0,3%1,1%1,9%
Frühroter Veltliner626424-32,2%367-13,4%1,3%0,9%0,8%
Scheurebe529398-24,8%357-10,3%1,1%0,9%0,8%
Andere Weißweinsorten9115569,7%388150,3%0,2%0,3%0,8%
Muskat Ottonel418360-13,9%357-0,8%0,9%0,8%0,8%
Traminer363321-11,6%284-11,5%0,7%0,7%0,6%
Bouvier365234-35,8%220-6,0%0,8%0,5%0,5%
Grauburgunder293222-24,2%2261,8%0,6%0,5%0,5%
Roter Veltliner258193-24,9%1951,0%0,5%0,4%0,4%
Goldburger309150-51,4%98-34,7%0,6%0,3%0,2%
Rotgipfler118105-11,1%11913,3%0,2%0,2%0,3%
Zierfandler9885-13,1%77-9,4%0,2%0,2%0,2%
Sylvaner5343-18,2%38-11,6%0,1%0,1%0,1%
Jubiläumsrebe3013-56,7%6-53,8%0,1%0,0%0,0%
Furmint19800,0%1122,2%0,0%0,0%0,0%
Blütenmuskateller2)2)-2)----
Goldmuskateller2)2)-2)----
Muscaris2)2)-2)----
Souvignier gris2)2)-2)----
Gesamt Weiß36.14530.138-16,6%31.1463,3%74,5%65,6%67,0%

Österreichischer Sekt

„Österreichischer Sekt“ („Österreichischer Qualitätsschaumwein“) ohne geografische Angabe oder geschützte Ursprungsbezeichnung darf unter dieser Bezeichnung lediglich in Verkehr gebracht werden, wenn er ausschließlich aus den 40 in Österreich für die Herstellung von Qualitätswein zugelassenen Rebsorten bereitet wurde und in Aussehen, Geruch und Geschmack frei von Fehlern ist.


Achtung: Diese Kategorie entspricht in puncto Herkunft einem Wein ohne geografische Angabe oder geschützte Ursprungsbezeichnung mit Rebsorten- oder Jahrgangsbezeichnung und darf daher nicht mit Qualitätswein auf eine Stufe gestellt werden – im Gegensatz zu Sekt g. U.!


Sowohl „Österreichischer Sekt“ als auch „Sekt g. U.“ sind Erzeugnisse, die in geschlossenen Behältnissen bei 20° C einen auf ungelöstes Kohlendioxid zurückzuführenden Überdruck von mindestens 3,5 bar aufweisen.


Wenn entweder die der Herstellung zu Grunde liegenden Trauben oder der Grundwein aus Österreich stammen, darf das Erzeugnis mit „Österreichischer Sekt“ bezeichnet werden. Ist lediglich die Herstellung des Sekts in Österreich erfolgt, darf das Produkt mit „hergestellt in Österreich“ bezeichnet werden.

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