Jahresbericht 2019

Jeder Traum hat ein Ende

Nach 13 Jahren an der Spitze der ÖWM übergebe ich mit 1. Jänner 2020 die ­Geschäftsführung an Chris Yorke und übernehme gleichzeitig die Geschäfts­führung der Fachmarktkette WEIN & CO, die ich schon von 1993 bis 1995 mit aufbauen durfte. Für viele war es eine Überraschung, dass mit Chris Yorke ein Engländer, der in der Schweiz aufwuchs, jahrelang in Deutschland arbeitete und in den letzten 15 Jahren das neuseeländische Weinwunder maßgeblich mitgeprägt hat, nun die Geschicke des österreichischen Weinmarketings lenken wird. Ich halte diese Tatsache nicht nur für ein Zeichen von Weltoffenheit, sondern auch für den Beweis der internationalen Dimension, die der österreichische Wein längst angenommen hat. Vielleicht ist es auch das Hauptmerkmal meiner Geschäftsführer-Periode, dass das hohe Ansehen, das der österreichische Wein bereits im Inland und da und dort im Ausland hatte, auf breiter Front globalisiert werden konnte.

Es freut mich aber besonders, dass es uns gelungen ist, auch in Österreich mehr und mehr Menschen für gehobene Weinkultur zu begeistern. Das drückt sich unter anderem in der Bereitschaft immer größerer Kundengruppen aus, für unseren Wein etwas mehr auszugeben und damit die Rentabilität unserer Produzenten auch in Zukunft zu sichern. Dabei möchte ich aber auch eindringlich davor warnen, dass nun alle in das schmale Premiumsegment drängen, wodurch das Einstiegssegment strategisch vernachlässigt werden könnte. Mein Appell an die größten Betriebe des Landes lautet daher: Auf dem Heimmarkt und in Deutschland auch die Preisklassen unter 4 Euro Regalpreis besetzen, sonst wird es bei größeren Ernten im Absatz eng werden.
Besondere Erwähnung verdienen die Fortschritte unserer Weinwirtschaft in ökologischer Hinsicht. Unsere Bio-Weine und Natural Wines genießen internationales Ansehen und spielen in zahlreichen Vinotheken und Restaurants auf der ganzen Welt eine Vorreiterrolle in der Positionierung von Wein aus Österreich. Endlich kommt auch das Zertifizierungsprogramm „Nachhaltig Austria“ in die Gänge. Es wird international als vorbildlich anerkannt und hat sich mittlerweile neben den Biozertifizierungen seinen eigenen Platz erarbeitet. Bei sauberer Kommunikation beider Zertifizierungen können Konflikte vermieden werden, zumal es auch bereits Betriebe gibt, die beide Siegel tragen dürfen.

Es gibt für mich zwei Wege, um in Österreich zukunftssicher Weinbau zu betreiben: als leistungsfähiger Spitzenbetrieb kleinerer Dimension mit hohen Preisen und Distribution in Fachhandel und gehobener Gastronomie oder als kostenoptimierter, größerer Produzent, der sich neben den großen internationalen Marken im preisbewussten Export und im LEH behaupten kann. Hier wird es noch zu klareren Differenzierungen kommen, die auch Elemente wie Eigenproduktion der Trauben (Weingut), Handlese und entsprechende Vertriebsentscheidungen beinhalten.

Ich wünsche meinem Nachfolger Chris ­Yorke, unserem Team in der ÖWM und der ganzen österreichischen Weinwirtschaft ­alles Gute für die Zukunft! Mag auch meine traumhafte Zeit bei der ÖWM nun ein Ende haben: Meine Liebe für den ­österreichischen Wein wird mich immer begleiten!

 

Ihr
Mag. Wilhelm Klinger

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